Freitag, November 03, 2006

Fremdgehen - Das Warum

Als ich an dem einen Sonntag begann, zusammen mit der Süßen, die Kartons für den Umzug zu packen, begannen wir die Bücher aus dem Arbeitszimmer aus dem Regal zu nehmen und danach zu sortieren wohin sie an ihrem neuen Bestimmungsort sollten. Wohnung und somit ins Regal oder in den Keller.

Dabei fielen mir einige Bücher in die Hände, die sich mit einem einschlägigen Thema Beschäftigten. Das Fremdgehen. Bücher die sich mit dem Thema Frau und "wie kriege ich sie rum" beschäftigen. Bücher die sich mit dem Kunst des Flirtens beschäftigen. Texte die eher in den Bereich der leichten Unterhaltung gehören und zum Teil Schriften, die das Thema fachkundig von der psychologischen Seite aufrollen. Verhaltens-Biologie und Evolutions-Psychologie. Komplette Anleitungen wie man den Seitensprung am besten organisiert und abwickelt um die Gefahr des Ertappens möglichst gering zu halten.

Von diesen Büchern kann man nun halten was man möchte. Meistens zeigen sie einem nur noch einmal das auf was man(n) sowieso schon wusste. Aber es ist ja auch nie verkehrt sich das eigene vorhandene oder vielleicht erworbene Wissen noch einmal in Gedächnis zu rufen.

Etwas was sellten angesprochen wurde, war das Warum. Warum geht Mann fremd bzw. welche Ausreden führt er dazu an? (1)

Ich bin ein bisschen auf die Suche gegangen und habe verschiedene Antworten gefunden. Genügend Zeitschriften haben sich diesem Thema angenommen und dazu Umfragen gestartet. Hier eine kleine (sicher nicht vollständige) Aufzählung:

- sich Bestätigung holen bzw. das Selbstwertgefühl heben
- die bestehende Beziehung lanweilig geworden ist
- Angst etwas zu versäumen
- im Bett etwas vermeintlich neues Erleben wollen
- ist einfach so passiert, z.B. Betriebsfeiern etc. etc.
- der Wunsch begehrt zu werden
- Rache
- der Reiz des Verbotenen

Exkurs zum Punkt Rache:

Lieber Thomas L. solltest Du das hier jemals lesen, dann wünsche ich Dir, dass Dir beim Lesen alles im Halse steckenbleibt.

Mag ja sein, dass Du sie vielleicht geheiratet hast.

Aber ich habe es mit Deiner Frau, in Deinem Haus, in Deinem Wohnzimmer auf der Couch getrieben. Während Deine Kinder ein Stockwerk drüber geschlafen haben.

Und es war nicht Dein Name den sie dabei wiederholte.

Ich habe es wirklich eine länger Zeit genossen, dass Du Schichtarbeit geleistet hast. Und sobald Du Deinen Schicht-Plan hattest, hatte ich einen Tag später eine Kopie davon.

"Rache ist ein Gericht, dass am besten kalt serviert wird"

altes klingonisches Sprichwort (Zitat aus Kill Bill Vol1)


Ich persönlich hatte immer einen anders gelagerten Grund gehabt.

Ich habe in Frage gestellt, ob ein Mensch allein meine Bedürfnisse abdecken kann. Und wenn ich fühlte, das etwas fehlte, dann habe ich mir das entsprechende fehlende Teil dazu geholt. So eine Art Patch-Work. Letztlich führte es dazu, dass ich meine Bedürfnisse durch einen Kreis von Frauen abgedeckt habe, was nicht immer zwangsläufig darauf hinauslaufen musste miteinander ins Bett zu gehen.

Bleibt die Frage, ob das Befriedigen der eigenen Bedürfnisse als eine moralische Rechtfertigung dienen kann.

Ich weiss es nicht und will es auch nicht beurteilen.

Nach Umfragen und Statistiken gehen zwischen 50-65% der Männer fremd. Dazu muss es auch die entsprechenden Frauen geben, welche a) ebenfalls in einer Beziehung stecken oder b) in diesem Punkt sich nicht um die Moral scheren.

Dann stellt sich aber die weitere Frage: Wenn eine Frau einen Mann kennenlernt, der sich in einer festen Bindung befindet und mit ihm Verhältnis beginnt, dann hat sie an dieser Stelle kein moralisches Problem und das Fremdgehen wird als legetim angesehen. Verlässt der Mann dann seine ursprungliche Partnerin und wechselt das Lager, wird im nächsten Schritt sofort Treue gefordert und das Fremdgehen, als latente vorhandene Bedrohung, als Vertrauensbruch gewertet. Obwohl diese Frau den Mann vorher bereits geteilt hat und damit bewiesen hat, dass eine solche Konstellation möglich ist.

Letztlich weiss sie dann doch, dass sie mit einem Fremdgeher zusammen ist. Aber will es nicht mehr akzeptieren.

Klassische Situation der Doppelmoral.


(1) Ich möchte mich bewusst nur mit der männlichen Perspektive der Sache beschäftigen, da ich wie weibliche nicht beurteilen kann. Würde mich aber freuen, wenn Frau (ggf. anonym) hier ihre Kommentare dazu geben würden.


19 Kommentare:

Duennbrettbohrer hat gesagt…

Moin! Mich würde eher interessieren, warum Du nicht versucht hast, Deine Bedürfnisse mit einem Partner zu decken? Bist Du lieber fremd gegangen, als das Problem anzusprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden? Oder hat eine Aussprache nichts gebracht?

AM hat gesagt…

Ich hatte mal eine Affäre und hatte durchaus moralische bedenken und das ganze hat sich über Monate hinweg gezogen, bis ich irgendwann drauf gepfiffen hab, weil man (frau) an die wahre Liebe geglaubt hat. (Aber es sollte ja auch nicht bei einer Affäre bleiben.)

Ich bin zwar nicht so der "Fremdgeher", aber wenn ich merke, das ich nicht ganz dolle verliebt bin, bin ich recht schnell gelangweilt in einer Beziehung.

Gründe aus meiner weiblichen Sicht fürs fremdgehen sind, eigentlich genau die Gründe die du bereits aufgezählt hast.

Hmmm... welche Bedürfnisse müssen denn abgedeckt werden? Hört sich nach einer ganzen Palette an. :)

AM hat gesagt…

Der Rachetext ist lustig! :)

Man in Metropolis hat gesagt…

@duennbrettbohrer

Eine Aussprache bringt nichts, wenn man(n) Bedürfnisse die gestellt werden im Zielkonflikt miteinander stehen.

Oder wenn die Wünsche nicht erfüllbar sind, weil der Partner das nicht leisten kann, weil er gar nicht in der Lage dazu ist. Zum Beispiel: Es bringt nichts das Bedürfnis nach Kunst, Kultur und Philosophie befireidigen zu wollen, wenn der andere überhaupt keinen Bezug dazu hat bzw. ihm einfach die Basis dazu fehlt.

Du machst aus einer tollen Limosine keinen Sportwagen. Und aus einem Sportwagen keinen Gelädewagen.

Anonym hat gesagt…

Ich bin damals fremdgegangen (kein sex, knutschen - ist für mich auch fremdgehen), da mein ex-freund einfach ein mir gegenüber inakzeptables verhalten an den tag gelegt hat (respektlosigkeit, vernachlässigung usw.). ich hatte beim fremdgehen kein wirklich schlechtes gewissen. danach gings mir fast schon gut, ich dachte: ok, er hat sich was zu schulden kommen lassen, ich auch, jetzt sind wir quitt (schreibt man das so?).. klar, das klingt alles sehr seltsam, aber das hat unsere beziehung etwas entspannt.
in allen anderen beziehungen war ich immer treu. fremdgehen würde ich nie akzeptieren. bei nem kuss wär bei mir schon schluß.

Man in Metropolis hat gesagt…

@anonym

Für mich nachvollziehbar. Ich denke, dass es sowas wie ein Gleichgewicht herstellen ist.

Daxie hat gesagt…

Also ich bin bisher aus 2 Gruenden fremdgegangen.
1. Vernachlaessigung = suchen nach Bestaetigung
Dabei einmal mit einem verheirateten Mann, der nix besseres zu tun hatte, als es direkt seiner Frau zu beichten...
La la la ....
2. Rache an der Frau, die mir den Mann ausgespannt hatte, den ich fuer meine "grosse" Liebe hielt.
Das "Ereignis" fand dann statt, als sie 6 Monate im Ausland war und zwar direkt unter Ihrem Foto!
HUGH! Don't mess with me! :)
Der Rachezeitpunkt fand wiederum statt, als mein damaliger Partner mich ebenfalls betrog, ich hatte zu dem Punkt noch keine offensichtlichen Beweise, aber es war zu 80% sicher. Spaeter hat es sich dann klar bestaetigt.
Wobei...ich es ihm nachweisen konnte, er mir nie ...:)

Ja, ja die Klingongen :)

Ich muss allerdings sagen, dass ich bei 1+2 um die 10-15 Jahre juenger war als heute.

Heute geh ich einfach, Schluss aus Ende.
Allerdings hab ich auch das Glueck, inzwischen jemand gefunden zu haben, der "alle Eckpunkte" abdeckt.
Dafuer bin ich aber 3000km von Deutschland wegzogen :)

weibliches Nordlicht hat gesagt…

"Obwohl diese Frau den Mann vorher bereits geteilt hat und damit bewiesen hat, dass eine solche Konstellation möglich ist."

Das würde ich so nicht unterschreiben... nur weil sie sich mit einem verheirateten Mann einlässt, heißt das nicht dass sie diese 3er Konstellation gut findet. Ich glaube, in den meisten Fällen ist ihr eine 2er Beziehung zwischen ihr und dem Mann tausendmal lieber. Da er jedoch eine Frau hat, bleibt ihr nichts anderes als das zu akzeptieren, wenn sie den Mann weiterhin sehen will. Es gibt nunmal kein Ganz oder gar nicht, sondern nur Dreieck oder gar nicht. Und wenn sie ihn nicht aufgeben will, muss sie da nunmal durch. Und hofft natürlich, ihn irgendwann mal ganz zu haben und nicht mehr teilen zu müssen.
Wenn er dann seine Frau verlässt, für sie, dann hat sie ihn vermeintlich endlich ganz. Und erwartet dann auch, dass er ihr treu bleibt.
Wobei das natürlich nicht immer so ist... ja, sie ist mit einem Fremdgeher zusammen. und die Gefahr ist groß, dass er es wieder tut. Aber das verdrängt sie gerne. Umso schlimmer ist dann das Erwachen, wenn er wieder fremdgeht und sie diesmal die Betrogene ist.

Daxie hat gesagt…

Tssss "Klingonen" muss es natuerlich heissen, und das mir als alter Trekkie! :)

Anonym hat gesagt…

frauen sind am ende aus den gleichen gründen untreu wie männer. es hat immer etwas mit unerfüllten sehnsüchten zu tun, mit themen, die nicht abgeschlossen sind. so war es zumindest bei mir. es hat mich damals völlig unvermittelt getroffen und viele meiner ansichten ins wanken gebracht. ich bedauere nicht, diese lebenserfahrung gemacht zu haben, aber bin dennoch zu der überzeugung gekommen, dass sich die treue lohnt. sie stärkt meinen wunsch, an der bestehenden beziehung zu arbeiten und nicht dort, wo ich defizite erlebe, mich einfach jemand anderem zuzuwenden. in der zeitung las ich heute „Treue muß Bedürfnis sein, nicht Tugend.“ (von Charlotte Böhler-Müller). damit kann ich was anfangen.

Bettina hat gesagt…

Warum ich fremdgegangen bin oder gehen würde?? Ganz ehrlich ?? Weil mir in dem Moment vermutlich so ziemlich alles scheissegal ist und Konsequenzen einfach "null und nichtig erscheinen" (hey...das ist Reinhard May, oder??)

Man in Metropolis hat gesagt…

@bettina

endlich mal jemand der ehrlich ist und es ausspricht... ich unterschreibe es mal blanko mit...

wahre märchen hat gesagt…

bei einer fröhlichen vorösterlichen Mädels-Diskussion war heute morgen "mal wieder" das Fremdgehen Thema: Fazit - auch viele Frauen haben in ihrem Partner nicht das Gegenüber, das all ihre Wünsche befriedigt... (also geht es hier doch auch um (die) Befriedigung...) - aber die Version: "Ein Mann zum Kuscheln, einen für den harten Sex, einen für kulturelle Events und einem zum Vorzeigen" kann doch auch nicht die Lösung sein...

und Fremdgehen, wenn ER fremdgeht, weil er eigentlich verheiratet ist, den Schuh ziehen sich die wenigsten Damen an.... ICH AUCH NICHT!

La - wahre Märchen

Anonym hat gesagt…

Am Anfang ist da noch das Gewissen,aber sobald man sich den Grund für den Betrug wieder ins Gedächtnis ruft,findet man es gerechtfertigt.Sei es jetzt gewesen,um sich still gegen seinen Partner zu wehren,sich von einem anderen Mann begehrt zu fühlen,oder um mit einem anderen Dinge zu tun,die man mit dem Mann,mit dem man zusammen ist,der zwar gut auf dem Papier,aber sonst nichts ist,nicht tun kann.
Man tut es für sich.Wir alle sind doch egoistisch.

Irgendwann fühlt sich Fremdgehen nicht mehr nach Fremdgehen an und man macht es einfach.
Und das sage ich-mit 20!

Lg,
Ines

malediva hat gesagt…

Nun mal deine gewünschte weibliche Meinung dazu:
sag deiner Partnerin von Anfang an die Wahrheit.Monogamie ist nichts für dich.
Dann habe ich als Frau die FREIE Entscheidung.

Anonym hat gesagt…

Nun, meine Frau ist Fremdgegangen. Zuerst hat sie sich beschwert ich würde ihr keine Freiheit lassen, dann hatte sie die Freiheit und hat dies ausgenutzt. Sie hat mich Wochenlang angelogen und wollte sogar Sex ohne Verhütung mit mir, weil, O-Ton, sie beim Fremdgehen auch gerade nichts zur Hand hatten und für den Fall der Fälle hätte sie mir ein Kuckucksei untergejubelt. So, heute verlangt sie von mir dass ich alles vergesse, denn es tut Ihnen beiden alles so leid, nur rückgängig machen könnten sie es halt nicht.

Ich stecke in einem Zweispalt, weis nicht was ich machen soll und denke, dass ich eher Angst vor dem Alleinsein habe ??

pauli hat gesagt…

hmm, schön geschildert.
ich hatte immer das hervoragende glück, männer zu haben die bereits in einer beziehung sind oder verheiratet mit kindern.
stehts ist die frau der lückenbüßer.
klar will/wollte man das so haben. letztendlich hat sich keiner der männer getrennt, was ich auf keinen fall wollte!
gezeigt hat es nur, was die beziehung wert ist, denn es bedarf keiner großen anstrengung einen mann in einer beziehung/ehe "zu knacken". soll nicht heißen, dass dies meine aufgabe ist!
ich war damals auch in einer beziehung die schon zum scheitern verurteilt war. ich wusste, dass es so aus gehen wird. hab es direkt darauf angelegt. hab wahrscheinlich einen grund für mich gesucht um das ganze schnell zu beenden, denn alle versuche vorher sind nicht umgesetzt worden.
die konsequenzen waren mir dann egal.
ich würde jeder zeit wieder, auch vor verheirateten männern, keinen halt machen, dazu gehören immer zwei.

Candra hat gesagt…

habe mich letztens noch gefragt warum jemand fremd geht und heute komme ich zufällig über deine Seite gestolpert und finde diesen (schon etwas älteren) Beitrag.

Danke für deine Erläuterungen zu diesem Thema... ich selbst habe damit keinerlei Erfahrungen und kann daher nicht so viel sagen... aber deine angesprochene Doppelmoral... ja das finde ich schon sehr merkwürdig.. gebe dir recht, dass Frau doch weiß, was da los ist, aber dann plötzlich "muss er treu sein"..

Ich denke irgendwann kommt einfach der Wunsch auf, dass man etwas für sich allein haben möchte.

Wie wäre es denn für dich gewesen, wäre deine Freundin fremd gegangen?

Grüße

- Candra -

M.i.M. hat gesagt…

@candra: zum einen, die dame die hier als "die süße" betitelt wird gibt es schon lange nicht mehr.

aber ich möchte gerne auf ein anderes beispiel zurückgreifen. meine ex-frau. diese hatte sich einmal, lange ist es her, einen freund nebenbei genommen. während ich irgendwo im süden deutschlands gearbeitet habe, war sie beschäftigt und ist mit ihm sogar über ein wochenende nach london gefahren.

ich hatte zu der zeit kaum zeit für sie und ich habe es als absolut in ordnung empfunden. es hat mich nicht gestört. weil es nie beziehung gefährdet hat.

körperliche treue ist nur ein kleiner teil. wirklich treue, hat meiner meinung nach ganz andere dimensionen und zeigt sich, wenn es im leben hart auf hart kommt.

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